Winter

Clavadeler Alp: Übernahme eines Bergrestaurants

Susanne Brodbeck und Stefan Marx übernehmen diesen Winter als neue Pächter die Clavadeler Alp im Skigebiet Jakobshorn. Sie haben bereits viel Erfahrung in der Gastronomie, vorwiegend mit Restaurants in der Region Basel. Bei meinem Besuch auf dem Berg erzählen sie von ihren Vorbereitungen für die Übernahme des Bergrestaurants. Lest mehr über das sympathische Gastgeberpaar und zu ihren Plänen für die Wintersaison!

Blonde junge Frau mit blauen Augen und Nasenpiercing. | © Davos Klosters Mountains
Franziska Krenmayr
28.11.2022
Blick auf das Bergrestaurant Clavadeler Alp mit grosser Sonnenterrasse während der Zwischensaison noch ohne Schnee. | © Davos Klosters Mountains

Oase auf dem Berg

Wintersportler willkommen!

Susanne aus Läufelfingen und Stefan als gebürtiger Basler bringen frischen Wind auf das Jakobshorn und ehren die Bündner Küche mit beliebten Gerichten. Noch stehen die Stühle auf den Tischen, doch ab dem Saisonstart des Jakobshorns werden Skifahrer, Winterwanderer, Familien und Geniesser im Bergrestaurant Clavadeler Alp bewirtet.

Das Bergrestaurant liegt bei der Talabfahrt Gämpen – Davos. Mit Blick auf das Tinzenhorn kann am Ende des Tages ein letztes Getränk genossen werden. Winterwanderer starten bei der Mittelstation Jschalp eine gemütliche Wanderung durch den verschneiten Wald mit anschliessender Stärkung in der Gaststube. Mit dem Carjöler Sessellift ist der Weg zum Restaurant noch kürzer. Einheimische oder Gäste erreichen vom Tal in 20 Minuten die Alp für ein währschaftes Mittagessen.

Die Gastgeber vorgestellt

35 Jahre Berufserfahrung

Stefan ist als gelernter Koch schon lange in der Gastronomie tätig. Er selbst ist in der Beiz seines Vaters gross geworden und hat später sein Hobby zum Beruf gemacht. Bereits mit 25 Jahren führte er sein erstes eigenes Restaurant und viele weitere folgten. «Alle Betriebe, die ich bisher führte, sind immer gut gelaufen. Das zeigt, dass ich wohl etwas richtig gemacht habe. Als Koch liebe ich es neue Kreationen zu erschaffen, die gut aussehen und köstlich schmecken.»

«Ich selbst bin durch Stefan zur Gastronomie gekommen. Ich habe grossen Gefallen daran, die Gäste zu betreuen und ihnen etwas Gutes zu tun», erzählt Susanne voller Leidenschaft. Susanne hat die Gastfreundschaft ebenfalls in den Genen. Über ihre Tochter Jeannine, welche die Tijuana Bar in Davos erfolgreich führt, hat sie Davos auf ihren zahlreichen Besuchen lieben gelernt. Das Jakobshorn kennt sie vom Aushelfen in der Jatzhütte.

Das Gastgeberpaar kennt Davos schon sehr gut und entschied sich deshab, die Stadt in den Bergen für den kommenden Winter zu ihrem neuen Zuhause zu machen. Die beiden sind talentiert, haben einen realistischen Geschäftssinn, ergänzen sich ideal und nehmen Gäste mit ihrer herzlichen Gastfreundschaft in Empfang.

In der Badi und auf dem Berg

Im Sommer führen Stefan und Susanne das Badi Beizli in Rynach im Baselland und werden dies beibehalten. In den Wintermonaten waren sie viele Jahre Wirte in der Künstler-Klause in Basel, eine altbekannte Gaststube in Kleinbasel. «Ich bin nun 60 geworden und möchte im Beruf nochmals eine Veränderung», erzählt Stefan im Gespräch. «Von der Gaststube im Keller möchten wir an die frische Luft», fügt Susanne lachend hinzu.

Die Idee ein Bergrestaurant in Davos zu übernehmen, haben die beiden schon lange. Das es nun geklappt hat, freut die beiden riesig. Nachdem sie die Ausschreibung der Bergbahnen auf Facebook gesehen haben, reichte ein Anruf für ein erstes Gespräch mit dem Gastronomieleiter Sandro May. «Das Gespräch war am Freitag und am Sonntag konnten wir das Bergrestaurant auch schon besichtigen. Als ich in die Gaststube kam, fühlte es sich sofort wie heimkommen an. Alles war so heimelig und gemütlich. In einem nächsten Schritt schrieben sie das Konzept und bekamen kurz darauf die Zusage.
 

Auffrischung der Alp

Transport auf 2.028 Meter über Meer

«Sobald wir die Zusage für die Übernahme des Restaurants bekamen, starteten die Vorbereitungen. Die erste und herausforderndste Aufgabe war es, das Restaurant Künstler-Klause in Basel zu räumen und das Küchenzubehör, wie Gefässe und Geschirr nach Davos und weiter zum Bergrestaurant zu transportieren. Zum Glück konnten wir bei den Arbeiten immer wieder auf die Unterstützung und den Rat der Mitarbeiter der Bergbahnen zählen», erzählt Stefan. Danach folgte der sonnige Sommer, im Schwimmbad Reinach startet die Hauptsaison und die Vorbereitungen im Restaurant Clavadeler Alp wurden pausiert.
 

Vorbereitung auf Hochtouren

Bei meinem Besuch Ende Oktober sind die Arbeiten wieder in vollem Gange. Susanne sitzt an der Nähmaschine und Stefan lädt gerade die neue Waschmaschine für den Keller aus. Auf der Terrasse repariert Paul, Schreiner der Davos Klosters Bergbahnen, den Windschutz.

«Wir hätten das Restaurant so übernehmen können, wie es war, doch wir wollten den Räumlichkeiten unsere persönliche Note verleihen», erzählt Susanne. Dafür kommt ihr der frühere Beruf als Handarbeitsverkäuferin und die Leidenschaft zum Dekorieren zu Gute. Sie näht die Sitzüberzüge, Brotkörbe und Vorhänge selbst und richtet die Gaststube gemütlich und geschmackvoll ein. Auf der Sonnenterrasse haben sie gemeinsam alle Sitzbänke und Bartheken geschliffen und gestrichen. Nebenbei wird weiterhin am Konzept des Restaurants gefeilt.

Das Logo des Bergrestaurants, die Initialien C, A und ein Hirschgeweih, wurde mit dunklem braun auf eine beige Decke gestickt. | © Davos Klosters Mountains
Susanne, die Pächterin der Clavadeler Alp, bügelt in der Gaststube die Tischtücher. | © Davos Klosters Mountains
Auf der Bank in der Gaststube auf der Clavadeler Alp liegen selbst genähte und selbst gestrickte Kissen. | © Davos Klosters Mountains

Das Konzept der Küche

Ein Hauch Baselbiet auf dem Jakobshorn

Stefan gibt mir eine Visitenkarte mit dem neuen Logo. Auch die Vermarktung gehört zur Eröffnung eines Restaurants mit dazu. Die wichtigste Aufgabe im Vorfeld ist jedoch die Überlegung, was im Restaurant angeboten und verkauft wird. Steht die Speisekarte, können die Gäste kommen. «Wir werden die gutbürgerliche Küche pflegen», erzählt Stefan. «Mit einer kleinen Karte möchten wir möglichst viele Gerichte frisch und hausgemacht anbieten. Dank unserer Teigmaschine können wir den Gästen jeden Tag frisch gebackenes Brot anbieten.»

Ein Team von zwölf Personen bedient alle Gäste – sei es in der gemütlichen Gaststube oder auf der einladenden Sonnenterrasse. «Vom Gast der einen Kaffee trinken möchte, bis zu Gourmets, die sich ein Rindsfilet gönnen wollen, wir heissen auf der Clavadeler Alp alle willkommen!», sind sich Stefan und Susanne einig.

Eine Besonderheit des Hauses ist das hausgemachte Früchtebrot, das zum Bündner Plättli serviert wird. Eine Spezialität mit Trockenfrüchten aus dem Baselbiet, die Susanne selbst dörrt und backt.

Der Koch und Gastwirt der Clavadeler Alp auf dem Jakobshorn zeigt das Kücheninventar und die grossen Teller. | © Davos Klosters Mountains
Der Wirt hält die Visitenkarte des Bergrestaurants Clavadeler Alp in die Kamera. | © Davos Klosters Mountains
Der Wirt schneidet das Früchtebrot aus selbst gedörrten Zwetschgen und Kirschen, eine Besonderheit der Clavadeler Alp. | © Davos Klosters Mountains

Übernahme eines Bergrestaurants

Lieferung über den Skilift aufs Jakobshorn

«Wir haben uns schon einen neuen Quad zugelegt. Was jetzt noch fehlt, ist eine Schneefräse für den Winter.», erzählt Stefan, «Ja so etwas braucht man nur auf dem Berg», fügt Susanne hinzu. Ein Bergrestaurant zu führen, bietet schon einige Besonderheiten. Die Anlieferung der Frischwaren läuft über den Carjöler Sessellift. Bei der Bergstation laden die Mitarbeiter des Restaurants die Ware auf Anhänger um und transportieren sie per Quad zur Clavadeler Alp. Bevor der Skibetrieb startet, ist der Kleintransporter schon drei bis vier Mal gefahren.

Grosse Lieferungen werden schon vor der Saison mit der Jakobshorn Gondel auf den Berg transportiert und eingewintert. Die beiden Gastronomen möchten gerne möglichst viele ortsansässige und lokale Anbieter unterstützen. Wer von Davos kommt weiss, die besten Gipfeli kommen von der Bäckerei Ganz Heiss. Ein solches geniesse ich gerade zum Kaffee, der mir angeboten wurde.
 

Wirten auf 2.028 Meter über Meer

Für die Eröffnung liegen schon 1.000 Kilogramm Kartoffeln im Keller gelagert. Um Gerichte wie Rösti und Kartoffelgratin werden viele Kartoffeln benötigt. Auf die Frage, wie lange die Menge ausreicht, antwortet Stefan lachend: «Hoffentlich nicht lange»! Genau weiss er es allerdings noch nicht. Einen ungefähren Richtwert für die Anzahl an täglich ausgegeben Mittagessen hat Stefan vom Vorbesitzer: Ungefähr 250 Gerichte verlassen an einem gut besuchten Tag die Küche. In der Mittagszeit zwischen 11.30 Uhr und 15.00 Uhr laufen die Bergrestaurants im Skigebiet auf vollem Betrieb.

Mit der Schliessung des Skigebiets um halb 5, verlassen die letzten Gäste das Bergrestaurant. Nach der Pistenkontrolle der Patrouilleure dürfen sich keine Skifahrer mehr auf dem Jakobshorn aufhalten. «Der Tag ist sicherlich kürzer als im Badebeizli Reinach. Doch wenn wir die Türe abschliessen, beginnt die Arbeit, die der Gast nicht sieht. Abrechnungen zu erstellen sowie Bestellungen auszulösen, gehören zu den täglichen Aufgaben eines Gastgebers dazu.» Sind diese Arbeiten erledigt, folgt die Abfahrt mit den Skiern oder mit dem Sessellift in den Feierabend.

Auf der Sonnenterrasse der Clavadeler Alp auf dem Jakobshorn stehen zwei Liegestühle mit Blick ins Tal. | © Davos Klosters Mountains
Das Gastgeberpaar des Bergrestaurants Clavadeler Alp sitzt auf einer Bank vor dem Restaurant, beide blicken lachend in die Kamera. | © Davos Klosters Mountains
Blick über die Sonnenterrasse des Bergrestaurants Clavadeler Alp in Richtung Sertig Tal, die Szene in herbstlicher Stimmung. | © Davos Klosters Mountains
Wir freuen uns darauf, mit den anderen Bergrestaurants im Skigebiet, den Gästen einen schönen Aufenthalt auf dem Berg zu bieten. Unser Ziel ist es, dass sie uns am Jakobshorn gerne wieder besuchen.

Vorfreude auf den Winter

«Was ganz genau uns erwartet, wissen wir nicht», meint Susanne , «aber wir sind so gut wie möglich vorbereitet. Ich freue mich besonders darauf, das neue Team zusammen zu führen. Ziel ist es, dass wir eine Familie werden. Genauso sehr freue ich mich auch auf die Gäste und auf ganz viel Schnee!» Herausfordernd wird der Winter ganz sicher, doch ich habe keinen Zweifel, dass die beiden dies gekonnt meistern. 

Auch wir freuen uns auf einen schönen Winter und können den Saisonstart der Wintersaison kaum erwarten. Viele sportliche Erlebnisse und Genuss in den Berghütten der Davos Klosters Mountains erwarten Euch.

Eure Davos Klosters Mountains