Skifahren & Snowboarden

Patrouilleure im Einsatz: Rettungsaktionen (SOS Teil 2)

Ein Tag auf der Piste bereitet Spass und Freude. Dennoch kommt es manchmal zu Situationen, in denen Hilfe von Rettungsteams erforderlich ist. Die Patrouilleure von Davos Klosters Mountains sind schnell vor Ort, leisten erste Hilfe und bringen Verunfallte sicher ins Tal. Auch wenn jemand sich verirrt oder keine Kraft mehr hat, sind sie die richtigen Ansprechpersonen. Was auch immer beim Skifahren passiert, auf den Rettungsdienst ist Verlass. Erfahrt mehr über die wichtige Arbeit der Patrouilleure und lernt, wie Ihr sicher auf den Bergen unterwegs seid.

Blonde junge Frau mit blauen Augen und Nasenpiercing. | © Davos Klosters Mountains
Franziska Krenmayr
09.03.2022

Häufige Unfallursachen beim Wintersport

Müdigkeit und Unaufmerksamkeit

An meinem heutigen Tag auf der Piste lief leider alles anders als geplant. Ich hatte nicht gedacht, dass ich einmal den Dienst des SOS Jakobshorn benötigen würde. Doch eine kurze Unaufmerksamkeit reichte aus und es passierte. Für die schnelle Hilfe und Rettung bin ich sehr dankbar. 

Alles auf Anfang: Die Vorfreude auf den Tag im Schnee ist riesig. Das Wetter ist schön und die Pistenbedingungen auf dem Jakobshorn sehr gut. Nach einem traumhaften Vormittag mache ich eine Mittagspause im Restaurant Güggel. Nach der köstlichen Pizza schnalle ich wieder mein Brett an. Das Vergnügen kann weitergehen. Zurück auf der Piste merke ich schnell, dass ich vor Müdigkeit beim Fahren unaufmerksam werde. Gleich auf der ersten Abfahrt stürze ich und fange mich mit den Händen ab. Ein typischer Sturz beim Snowboarden. Ich spüre einen stechenden Schmerz in meinem linken Handgelenk. Mit Müh und Not kann ich mich drehen. Wegen der aufkommenden Übelkeit lege ich mich hin.
 

Anruf bei der SOS Zentrale

Sofort ist ein Skifahrer bei mir und fragt mich, ob alles in Ordnung ist. Da ich starke Schmerzen habe, möchte ich mit dem Snowboard nicht weiterfahren. Er sichert die Unfallstelle, indem er seine Skier im Kreuz aufstellt und wir auf der Piste gesehen werden. Mein Helfer wählt die SOS Nummer der Zentrale des Rettungsdienstes Jakobshorn. Nach den Fragen zum Standort und zu meinem Zustand, macht sich gleich jemand auf den Weg. Nach fünf Minuten ist der Rettungsdienst da. «Ist bei dir alles klar! Ich bin Urs und wie heisst du?» Urs schiebt seine Sonnenbrille kurz hinauf. Danach hilft er mir den Handschuh auszuziehen und ich erkläre ihm was passiert ist. Nach der ersten Beurteilung beider Arme und dem Rücken wird mir am linken Handgelenk eine Schiene zur Stabilisierung angelegt.

Meine erste Frage ist, ob der Arm gebrochen sei. «Möglich ist es, der Schmerz bei einer Prellung und einem Bruch ist oft ähnlich. Doch ich habe keinen Röntgenblick und wir müssen auf jeden Fall zur Abklärung ins Spital», meint Urs lachend.

Mit dem Rettungsschlitten ins Spital

Urs, der Patrouilleur und Rettungschef vom Jakobshorn, wie ich später erfahre, bereitet den Schlitten vor, um mich ins Tal zu bringen. Vorsichtig lege ich mich hinein und werde eingepackt. Bewegungen sind jetzt nur mehr eingeschränkt möglich, dafür ist es warm. Ich bin sehr froh, dass ich nicht mit dem Snowboard den Berg hinunterfahren muss. Bei einer Abfahrt mit einer Verletzung kann es gut vorkommen, dass ein weiterer Sturz passiert.

Krankenwagen an der Talstation Jakobshorn

Wir setzen uns in Bewegung. Ich spüre die Unebenheiten der Piste unter mir, sehen kann ich nur den Himmel über mir. Mein Retter Urs fährt mit den Skiern langsam ins Tal und zieht den Rettungsschlitten hinter sich her. Auf halbem Weg kontaktiert er die Mitarbeiter bei der Mittelstation Jschalp und gibt ihnen die Anweisung, einen Wagen vorzubereiten. Es ist schwer einzuschätzen, wo wir uns gerade befinden. Schneller als gedacht sind wir bei der Jschalp angekommen. Im Schlitten werde ich auf den Wagen geladen und mit der Jakobshorn Gondel das letzte Stück ins Tal transportiert. Dort wartet schon der Krankenwagen, der mich ins Spital Davos bringt.
 

Röntgen im Spital: Bruch am Unterarm

Der Patrouilleur Urs begleitet mich bis ins Spital, wo er den Unfallbericht an die Ärzte weitergibt. Wie es sich nach der Röntgenaufnahme herausstellt, ist die Speiche meines linken Unterarms gebrochen. Für mich bedeutet das: acht Wochen Gips am linken Arm tragen. Früher als gedacht ist die diesjährige Wintersaison für mich leider zu Ende. Die Schokolade vom Rettungsdienst mit den persönlichen Besserungsgrüssen heitert mich nach diesen schlechten Nachrichten auf. Der SOS Jakobshorn hat mich nicht nur sicher ins Krankenhaus gebracht, sondern auch meinen Tag versüsst!

9 Fragen und Antworten

Q&A mit dem Rettungschef vom Jakobshorn

  • Urs Meier
  • Seit 2013 Patrouilleur auf dem Jakobshorn
  • Seit 2020 Postenchef beim SOS Jakobshorn
  • Für 262 Rettungseinsätze ausgerückt
  • An seiner Arbeit gefällt ihm der Abwechslungsreichtum am Besten.

Frage 1: Was sind eure Aufgaben, wenn auf der Piste ein Unfall passiert?

Unsere Aufgabe ist es vor Ort erste Hilfe zu leisten und danach den Verunfallten sicher ins Spital zu bringen. Für den Transport ins Tal verwenden wir meist den Rettungsschlitten. Ausserdem sind wir zuständig für die Absperrung der Unfallstelle und kümmern uns um die medizinische Erstversorgung des Patienten. Je nach Unfall müssen wir für den Transport ins Spital die Rega organisieren. Die Rega ist die Schweizerische Rettungsflugwacht, welche sich um die Rettung über die Luft kümmert.

 

Frage 2: Wie werdet Ihr bei einem Unfall kontaktiert?

Unsere Zentrale bei der Bergstation Jakobshorn ist unter der Notrufnummer 081 417 62 80 erreichbar. Direktanrufe sind jedoch eher selten. Häufiger werden wir von Mitarbeitern per Funk kontaktiert oder es erreichen uns Unfallmeldungen über die EchoSOS App. Natürlich werden auch Notrufe vom 144 oder der Rega an uns weitergeleitet.

 

Frage 3: Wie können Unfälle auf der Skipiste verhindert werden?

Indem wir die Pisten gut markieren, können wir dazu beitragen, Unfällen vorzubeugen. Als Gast gilt es, sich im Sinne des sicheren Skifahrens an gewisse Regeln zu halten. In den FIS-Regeln sind diese festgehalten. Ein wichtiger Grundsatz ist es, die Geschwindigkeit anzupassen und rücksichtsvoll zu fahren. Wichtig ist ausserdem, die Warnhinweise auf der Skipiste wie zum Beispiel «Langsam-Fahrzonen» oder «Achtung Kreuzung» zu beachten.

 

Frage 4: Wie soll ich reagieren, wenn ich jemanden auf der Piste liegen sehe?

Zuerst solltet Ihr zu dieser Person hinfahren und Euch nach ihrem Zustand erkundigen. Wenn es sich um einen Unfall handelt, dann könnt Ihr den SOS alarmieren. Nach den drei Fragewörtern (Was? wer? wo?) gebt Ihr Auskunft über den Unfall. Wichtig ist es dann, die Unfallstelle mit gekreuzten Skiern oder Snowboards abzusperren und zu sichern. Wenn eine Rettungsdecke vorhanden ist, deckt die verunfallte Person zu, um sie vor Kälte zu schützen.

 

Frage 5: Wie lange dauert eine Rettung auf dem Jakobshorn im Durchschnitt?

Je nach Standort dauert es zwischen fünf bis 20 Minuten, bis wir am Unfallort eintreffen. Der Patrouilleur, der zuerst an der Unfallstelle ist, begleitet den Verunfallten bis ins Spital. Erst dort verlässt dieser den Rettungsschlitten. Von der Einsatzmeldung bis zum Eintreffen im Spital vergehen im Schnitt 40 Minuten.

Frage 6: Wann wir die Rega kontaktiert?

Wenn der Patient aufgrund seiner Verletzung immobilisiert werden muss, dann ist der Luftweg ins Spital schneller und schonender. Auch wenn schnellstmöglich eine Behandlung durch einen Arzt benötigt, kontaktieren wir die Rega. Ein Rega-Einsatz mit dem Helikopter ist jedoch nur bei guter Sicht und bei geeigneten Wetterbedingungen möglich.

 

Frage 7: Wie viele Rettungseinsätze habt Ihr jährlich?

Im Jahr haben wir auf dem Jakobshorn im Schnitt um die 200 Rettungseinsätze. Die Mehrheit der Unfälle passieren auf der Piste. Dabei haben die Kollisionsunfälle auf dem Jakobshorn erfreulicherweise in den letzten Jahren abgenommen. Unser Mitarbeiter Nic Conrad hatte in den letzten 35 Jahren 1.700 Rettungseinsätze. Das ist definitiv ein Rekord.

Etwa 90 Prozent der Rettungseinsätze erfolgen mit dem Schlitten. Bei den restlichen Einsätzen wird der Helikopter benötigt. Mit 30 Prozent sind Verletzungen am Knie am häufigsten.

 

Frage 8: Habt ihr auch Rettungseinsätze abseits der Piste?

Ja, auch im freien Gelände werden von uns Einsätze durchgeführt. Wir hatten gerade erst zwei erschöpfte Skifahrer gerettet, die sich im Gelände verirrt haben. Bei Rettungen abseits der Piste ist das App EchoSOS sehr hilfreich. Wenn jemand anruft, der seinen Standort nicht kennt, kann er uns diesen über die App freigeben. Gezielt und schnell können wir so nach der Person suchen. Gerade im freien Gelände ist es schwer den Standort zu beschreiben.

 

Frage 9: Was sind Eure Aufgaben in der Zentrale?

In der Zentrale sind während der Woche drei und am Wochenende bis zu fünf Patrouilleure einsatzbereit. Nach jedem Einsatz erstellen wir ein Unfallprotokoll und tragen es in die Unfalldatenbank der Seilbahnen Schweiz ein. Für das Protokoll benötigen wir eine Beschreibung sowie Fotos der Unfallstelle. Bei Kollisionsunfällen wird dieser häufig von der Versicherung eingesehen. Ausserdem füllen wir allfällig gebrauchtes Material in der Einsatzpackung wieder auf und sind damit wieder bereit für den nächsten Dienst.
 

 

Wollt Ihr mehr über den Rettungsdienst erfahren?

Weitere Informationen zu den Aufgaben des Rettungsdienstes findet Ihr auf der Seite des Rettungsdienstes der Davos Klosters Mountains. Wenn Ihr mehr über die Mitarbeiter der Davos Klosters Mountains erfahren wollt, dann lest am besten die Blogbeiträge «Ein Arbeitstag eines Pistenbully-Fahrers» oder «Mein Einblick ins Marketing einer Bergbahn».

Nun seid Ihr vorbereitet für sicheres Skifahren

Die Patrouilleure sorgen dafür, dass sicheres Skifahren möglich ist. Wenn Ihr noch einen Skipass benötigt könnt Ihr diesen sorglos online buchen und optimale Pistenbedingungen in den Davos Klosters Mountains geniessen. Neben dem Berg Jakobshorn könnt Ihr auch auf Parsenn, dem Rinerhorn und Madrisa Eure Schwünge über die Pisten ziehen.

Wir wünschen Euch sicheres und erlebnisreiches Skifahren und Snowboarden!

Eure Davos Klosters Mountains