Hinter den Kulissen

Erfahrungsbericht zur Abseilübung von der Schiferbahn

Es gibt einen Ruck, die Seilbahn bleibt stehen und schaukelt leicht in der Luft. Am 31. August 2022 fand wieder eine Bergungssübung mit Figuranten auf Parsenn statt. Ich, Chiara Riegler, kaufmännische Lernende bei den Davos Klosters Bergbahnen, durfte bei der Organisation helfen und wurde aus der Kabine der Schiferbahn gerettet. In diesem Blogbeitrag teile ich meine Eindrücke und Erfahrungen mit Euch!

Chiara Riegler
27.10.2022
Man sieht die Schiferbahn bei schönem Wetter. | © Davos Klosters Mountains

Einblick in die Organisation

Meine Aufgaben zur Vorbereitung

Zu Beginn hatte ich keine Ahnung, was für ein organisatorischer Aufwand hinter einer solchen Übung steckt. Meine Aufgabe war es, die Freiwilligen in eine Liste aufzunehmen und ihnen ein Schreiben mit den wichtigsten Informationen zukommen zu lassen. Ausserdem erstellte ich eine Einverständniserklärung, welche alle minderjährigen Teilnehmer unterschreiben mussten. Ich beantwortete sämtliche Fragen der Figuranten, wie Dauer, Verpflegung und benötigte Ausrüstung. 

Mein Fazit: Durch das Mitwirken an einem solche Event wurde mir erst bewusst, welch grosser Organisationsaufwand dahinter steckt. Auch wenn ich nur einen kleinen Teil dazu beigetragen habe, bin ich froh, dass ich helfen konnte.

 

Ablauf der Abseilübung

Meine Erfahrungen

Nach der Mittagspause machte ich mich auf den Weg zur Parsennbahn und händigte dort alle meine Unterlagen an den technischen Leiter der Parsennbahn aus. Er leitete die Übung und ist im Ernstfall für eine sichere Bergung verantwortich. An der Talstation hielt er eine kleine Ansprache und bedankte sich bei uns für unsere Teilnahme. Mit der nächsten Bahn fuhren wir auf das Weissfluhjoch.

 

Instruktion mit Zwischenverpflegung

Oben angekommen wurden wir instruiert und durften uns eine kleine Zwischenverpflegung mitnehmen. Dann stellten wir uns in einer Reihe auf und warteten, während die Bergbahnmitarbeiter und Bergungsleute mit Informationen versorgt wurden. Plötzlich bewegte sich die Reihe vor uns und die ersten Freiwilligen durften einsteigen. Endlich! Mittlerweile war es ziemlich kalt geworden, denn es nieselte leicht und Nebelschwaden zogen umher.

Wir sassen zu viert in der Gondel. Nachdem wir ein kleines Stück von der Bergstation weggefahren sind, hielt die Seilbahn plötzlich an. Anscheinend wurde jetzt der Alarm ausgelöst und die Anlage musste stoppen. Nun konnten wir nur noch warten, bis einer der Mitarbeiter kam, um uns zu „retten“.

Man sieht schwarze Funkgeräte. | © Rondo News Fokus - suedostschweiz.ch
Man sieht einen Karabiner mit einem gelb-weissen verknoteten Seil. | © Rondo News Fokus - suedostschweiz.ch
Der Alarm wird von einem Handy manuell ausgelöst. | © Rondo News Fokus - suedostschweiz.ch

Die Rettung

Die Wartezeit in der Gondel

Nach 1.5 Stunden Wartezeit durchströmte uns Erleichterung, als wir durch den dichten Nebel sahen, wie ein Mitarbeiter über einen Mast hochkletterte, um sich über das Stahlseil zu unserer Gondel zu ziehen. Als er bei uns angekommen war, öffnete er die Tür. Wir hatten keine Höhenangst, aber dennoch Respekt, da das Abseilen für die meisten von uns eine völlig neue Situation war. Er beruhigte uns und erklärte das weitere Vorgehen. Die erste Person wurde mit Hilfe eines Dreieckstuch, Karabinern und Seilen langsam heruntergelassen. Am Boden stand ein weiterer Mitarbeiter, der das Seil festhielt, mit dem einer nach dem anderen abgeseilt wurden. 

 

Endlich wieder Boden unter den Füssen

Das Abseilen wiederholte sich noch drei Mal bis alle vier Personen aus der Gondel wieder auf dem Boden waren. Wir waren nah bei der Bergstation abgeseilt worden und konnten zu Fuss zurückgehen. Wir stärkten uns anschliessend im Restaurant Weissfluhjoch mit einem warmen Essen.

Die Übung dauerte insgesamt 3.5 Stunden. Es waren zehn Bergungsteams unterwegs, welche die Leute aus den Bahnen abseilten. Diejenigen, die bereits wieder Boden unter den Füssen hatten, wurden mit einem der Jeeps zurück zur Bergstation gefahren. Die Rettung verlief erfolgreich und ohne Probleme.

Ich fand es spannend, bei einer Abseilübung dabei zu sein. Schliesslich erlebt man so etwas nicht jeden Tag!
Eine Person hat die Gondel in der Luft geöffnet. | © Rondo News Fokus - suedostschweiz.ch
Eine Person hängt bei der Gondel und hat sie geöffnet. | © Rondo News Fokus - suedostschweiz.ch
Eine Person wird aus der Schiferbahn abgeseilt. | © Rondo News Fokus - suedostschweiz.ch

Training für den Notfall

Herausforderung für Rettungsleute

«Ziel dieser Übung ist es, zu lernen, mit Leuten zu arbeiten, die nicht wissen, wie eine Personenbergung funktioniert. Wenn eine Person Höhenangst hat, ist das immer eine Herausforderung für die Bergungsleute. Für den Ernstfall können wir das mit den vielen freiwilligen Figuranten üben», erzählt der technische Leiter von Parsenn, Beni Walder, im Video mit Tele Südostschweiz.

Solche grossen Übungen mit Freiwilligen finden nur etwa alle sechs Jahre statt. Jährlich werden aber kleinere Bergungsübungen mit den Partnerorganisationen Alpine Rettung Schweiz (ARS) oder der Schweizerischen Rettungsflugwacht (REGA) organisiert. Dies ist vom Bundesamt für Verkehr so vorgeschrieben. Zu einem Ernstfall kommt es sehr selten, da die Seilbahnen sehr sicher sind und regelmässig gewartet werden.

Wintersaison ist das Hauptgeschäft

Doch wieso finden solche Übungen im Sommer statt, wenn der Ernstfall doch meist im Winter eintritt? Auch ich stellte mir diese Frage und sie wurde mir folgendermassen beantwortet: «Die Wintersaison ist unser wichtigstes Geschäft. In der Hauptsaison ist es schlicht und einfach unmöglich, eine Bahn für einen ganzen Tag zu schliessen.» Parsenn ist das grösste Skigebiet der Davos Klosters Mountains und zieht mit seinen breiten und langen Abfahrten sowie 100 Pistenkilometern unzählige Wintersportgäste an.

Man sieht den Skilift Totalp bei schönem Wetter. | © Davos Klosters Mountains

Fazit zur Übung vom technischen Leiter

Im Gespräch mit Beni Walder

Für mich war die Abseilübung eine sehr spannende Erfahrung. Aus meiner Sicht ist alles sehr gut gegangen und ich habe mich immer sicher gefühlt. Sind auch die Organisatoren mit dem Tag zufrieden und hat die Übung Ihren Zweck erfüllt? «Insgesamt ist die Übung sehr gut verlaufen. Alle haben sehr gut mitgemacht und hatten Spass daran», erzählte mir Beni Walder am Telefon. «Die Bergeleute hatten ihr Handwerk im Griff und der Ablauf hat gut funktioniert. Wir sind sehr zufrieden. Doch es gab auch kleinere Schwierigkeiten und es sind Sachen aufgefallen, die verbessert werden können», führt Beni Walder aus.

 

Verbesserungspotenzial ist vorhanden

Eine Herausforderung war das Wetter. Die Nummern der Stützen sind weit oben angebracht und bei Nebel waren diese von unten nicht gut ersichtlich. Den Bergungsleuten wurden Sektoren (=Stützen) zugeteilt. Nicht ortskundige Retter hatten etwas Mühe die Stützen zu finden. Mit dem Anbringen zusätzlicher Nummern in Bodennähe wird die Bergung für die Zukunft vereinfacht.

Die Kommunikation ist bei einer Bergungsaktion äusserst wichtig und muss stetig optimiert werden. Es wird mit Funkgeräten gearbeitet, da der Kontakt damit am schnellsten ist. Um eine saubere Rückmeldung zu bekommen, muss auf eine klare Formulierung geachtet werden. Es sollen nur wichtige Informationen durchgegeben und unnötige Gespräche vermieden werden.

Wintersaison

Dank Rettungsübungen bestens vorbereitet

Dank den regelmässigen Bergungsübungen sind unsere Mitarbeitende auf dem Berg für einen Ernstfall im Skigebiet bestens geschult und für den kommenden Winter vorbereitet. Schon bald starten unsere Seilbahnen und Skilifte ihren täglichen Winterbetrieb. Freut Ihr Euch schon aufs Skifahren?

Wir freuen uns auf Euren Besuch.
Eure Davos Klosters Mountains

Angebot zum Saisonstart

Ihr müsst Euch nicht mehr lange Gedulden, bis Ihr auf den Skipisten der Davos Klosters Mountains wieder maximales Skivergnügen erleben könnt. Mit dem Saison-Start Package seid Ihr ab der Öffnung der Skipisten im November mit dabei!