Einblick in die Weiterbildung der Pistenretter

Die Patrouilleure der Davos Klosters Mountains bereiten sich auf den kommenden Winter mit einer Weiterbildung im Spital Davos vor. Ein interessanter Tag mit spannenden Inhalten - Wir erzählen Euch mehr!

Junger Mann mit blauen Augen und Ziegenbart. | © Davos Klosters Mountains
Sergio Michel
10.11.2022

Weiterbildungs im Spital Davos

Vielseitiges Programm für die Pistenretter

Montagmorgen 08:00 Uhr im Spital Davos, die rund 30 Teilnehmenden unseres Pistenrettungsdienstes warten gespannt auf den Start des Weiterbildungstages 2022. Das Spital Davos hat ein vielseitiges Programm für die Gruppe zusammengestellt. Nebst den obligatorischen Kursen ist der Tag im Spital Davos jährlich auf der Agenda unserer Pistenretter. Vali Meier, Leiter des Rettungs- und Pistendienstes betont wie wichtig regelmässige Trainings und Fortbildungskurse sind, damit im Ernstfall richtig reagiert werden kann.

Dr. med. Hans-Curd Frei, Chefarzt der Chirurie/Orthopädie am Spital Davos, begrüsst die Pistenretter und erwähnt die Wichtigkeit der Zusammenarbeit der Patrouilleure und des Spital Davos. Danach werden die Anwesenden auf vier Gruppen aufgeteilt und auf die verschiedenen Posten verteilt. Ich, Sergio Michel, schliesse mich einer der Gruppe an, um einen Einblick in das Programm zu erhalten.

 

Station 1 - Notfall Instruktionen

Beim ersten Posten zum Thema «Notfall Instruktionen» empfangen uns Sandra und Tina vom Notfallzentrum in Davos. Die Stimmung ist schon früh morgens super, da die beiden Frauen die meisten Pistenretter von der jahrelangen Zusammenarbeit kennen. Vielfach bringen die Patrouilleure den verunfallten Gast gleich persönlich ins Notfallzentrum des Spital Davos und helfen dort tatkräftig mit. Sie entkleiden Patienten, betten sie um oder bringen ihnen warme Tücher. Beim Kontakt mit den Notfall-Mitarbeitern können gleich die neusten Erfahrungen zum Umgang mit Betroffenen ausgetauscht werden.

 

Der häufigste Knochenbruch

Danach folgt eine Präsentation der neusten Erkenntnisse und Statistiken der letzten Saison. Habt Ihr gewusst, dass Handgelenksnahe-Knochenbrüche der Speiche zu den häufigsten Verletzungen zählen? Uns werden immer wieder Röntgenbilder verschiedener Verletzungen gezeigt, dazu erhalten wir wertvolle Tipps zur Betreuung und zur Beurteilung der verunfallten Person.

Da ein neuer Pistenretter in unserer Gruppe mit dabei ist, der seine erste Saison in Davos startet, begeben wir uns anschliessend noch auf einen Rundgang durch das Notfallzentrum. Dort wird uns der genaue Ablauf erklärt und unserem neuen Kollegen gleich zahlreiche wertvolle Insider-Tricks gezeigt. Es ist schön zu sehen, wie sehr sich alle auf die kommende Wintersaison freuen.

Station 2 - BLS-AED Refresher

Wiederbelebung richtig anwenden

Marcel ist diplomierter Rettungssanitäter HF beim Rettungsdienst Davos. Er führt mit uns einen Refresher zum BLS-AED und zu den lebensrettenden Massnahmen zur Wiederbelebung von Erwachsenen und Kindern durch. Zu Beginn startet er gleich mit einer Fragerunde und unsere Patrouilleure antworten fleissig:

  • Wo befindet sich der Druckpunkt für die Thoaraxkompression? Dieser befindet sich in der Mitte des Brustbeins.
  • Wie tief ist der Druckpunkt? Der Druckpunkt ist 5 – 6 cm tief.
  • Wie viele Thoraxkompressionen und Beatmungen werden eingesetzt? 30 Thoraxkompressionen gefolgt von zwei Beatmungsstössen
  • Wie ist der Rhythmus bei den Thoraxkompressionen? 100-120 pro Minute also gut zwei Kompressionen pro Sekunde

Thorexkompressionen und Defibrillator

Nach der Theorie gehen wir direkt zum Praxisteil über. In Zweier-Teams wird die erste Übung an der Übungspuppe durchgeführt. Diese ist mit der neusten Technik ausgestattet und gibt den Kursteilnehmern gleich Feedback zur Tiefe des Druckpunkts. Unsere Patrouillieure sind voll im Einsatz. Wer schon einmal Thorexkompressionen gemacht hat weiss, wie anstrengend der Vorgang ist. Nach einigen Minuten schliessen wir einen Defribilator an die Puppen an und folgen den Instruktionen.

Im Anschluss erhält jedes Team von Marcel ein konkretes Fallbeispiel und die Pistenretter müssen sofort entscheiden, wie sie handeln. Marcel ist mit der Leistung der Teilnehmenden sehr zufrieden und gibt abschliessende Feinkorrekturen.
Am Ende hat Marcel für uns noch einen wichtigen Hinweis parat: Habt Ihr gewusst, dass alle Davoser Ortsbusse mit einem Defibrillator ausgestattet sind? Falls Ihr in einer Notsituation in Davos eine Person wiederbeleben müsst, haltet am besten den nächsten Ortsbus an.

Station 3 - Erklärung des Notrufsystems 144

Beim dritten Posten treffen wir auf Sergio. M. Calabrese (Führung, Team 144 GR) und Ivo Paganini (Disponent, Team 144 GR). Zuerst zeigt uns Sergio einen Film der anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Sanitätszentrale des Kantons Graubünden produziert wurde und bringt uns die Hauptaufgaben der Zentrale näher: 

  • Entgegennehmen der eingehenden Notrufe/Notfallmeldungen rund um die Uhr
  • Vornahme einer ersten Beurteilung der Notrufe
  • Telefonische Beratung über Erste-Hilfe-Sofortmassnahmen
  • Entscheid über die zweckmässigen Rettungs- und Transportmassnahmen sowie Aufgebot und
    Koordination aller Rettungsdienste und Ambulanzkräfte (Alpine Rettung, Rega, First Responder, Care Team, Pistenretter)

Ablauf in der Zentrale

Ivo zeigt uns anschliessend ein Fallbeispiel einer Rettung in Davos. Auf seinen Monitoren in der Zentrale sieht er alle verfügbaren Einsatzkräfte und kann diese bei einem Notfall untereinander koordinieren und aufbieten. Beim Eintreten eines Unfalls auf der Piste nimmt er den Anruf entgegen und leitet das Telefon direkt an die Pistenrettung weiter. Unsere Patrouilleure haben auf den Bergen die besten Ortskenntnisse, darum ist es am effizientesten, wenn sie direkt mit den Verunfallten kommunizieren. Ivo koordiniert mit dem Patrouilleur, der die Pistenrettung ausführt, den Abholort und Transport zum Spital Davos oder bietet bei schwereren Unfällen gleich die Rega auf.

Station 4 - Fallbeispiele Medizin und Chirurgie

Vorbereitung für die Ambulanz

Am letzten Posten befindet sich direkt in der Ambulanzhalle, wo der Krankenwagen mit dem verunfallten Gast ankommt. Es begrüssen uns Iris (Leiterin Rettungsdienst) und Dany (Mitarbeiter Rettungsdienst). Dany ist ein bekanntes Gesicht, da er im Winter viele der Unfälle am Jakobshorn betreut.
Hier werden wir gleich mit einem Fallbeispiel konfrontiert. Wir treffen auf einen Mann, der auf allen vieren kauernd über starke Schmerzen im Rücken- und Beckenbereich klagt. Unsere vier Patrouilleure zögern keine Sekunde. Während einer die Ambulanz alarmiert, kümmern sich drei weitere Retter um den verunfallten Mann. Gekonnt wird er auf eine Vakuummatratze umgebettet. Nach kurzer Betreuung trifft bereits der Krankenwagen ein und der Patient wird dem Rettungsdienst übergeben.

 

Notfall auf der Jatzhütte

Es folgt das nächste Fallbeispiel. Dieses Mal treffen unsere Patrouilleure auf eine Frau in der Jatzhütte, die über Atemnot und einen beissenden Ausschlag an der Armbeuge klagt. Nach einem kurzen Gespräch stellt sich heraus, dass sie unter einer Nussallergie leidet. Einer der Pistenretter fragt, ob sie etwas getrunken hat. Die Frau meint: «Nur einen Kaffee Schnaps.» Der Retter vermutet, dass im Getränk Nussliquör verwendet wurde und bestellt per Funk einen Notfallrucksack.

Wenige Minuten später trifft dieser ein und eine Adrenalinspritze (Epi-Pen) kommt zum Einsatz. Diese mindert den allergischen Schock und erleichtert der Dame das Atmen. Zur Sicherheit wird die Patientin zur Überwachung ins Spital Davos gebracht. Unsere Retter erhalten auch hier für ihr Handeln positives Feedback. Wir werden zur Abschlussbesprechung weitergeschickt.

Abschlussbesprechung

Am Ende des intensiven Tages treffen sich alle Gruppen zur Abschlussbesprechung. Dr. med. Hans-Curd Frei lobt alle Pistenretter für die aktive Teilnahme am Weiterbildungstag und weist darauf hin, wie wichtig die Arbeit des Rettungsdienstes ist und dass die Zusammenarbeit sehr geschätzt wird. Er und sein Team sind bereit und der Winter kann kommen.

Als Abschluss tritt Vali Meier nochmals vor die Gruppe. Er ist ebenfalls überzeugt, dass der Schnee kommen darf und alle für den Winter bereit sind. Er bedankt sich ebenfalls für die aktive Teilnahme speziell beim Team von 144 GR, die uns einen tieferen Einblick in ihre Arbeit gewährt haben. Vali schliesst den Anlass mit folgendem Zitat:

Wer aufhört besser zu werden hört auf gut zu sein!

Patrouilleur

Ein vielseitiger Beruf

Unsere Patrouilleure sind nicht nur bei Unfällen im Skigebiet als erste zur Stelle. Für die Pistensicherung kümmern sie sich um die Lawinensprengungen und sind schon früh morgens auf dem Berg. Im Blog «Sprengen für sichere Skipisten» erfahrt Ihr mehr. Oder wollt Ihr mal bei einem Rettungseinsatz dabei sein? Dann lest den Blog «Rettungsaktion». Alle wichtigen Informationen und Tätigkeiten unseres Pisten- und Rettungsdienstes findet Ihr auf der Webseite.

Wir wünschen Euch eine sichere und unfallfreie Wintersaison und wünschen Euch bereits jetzt viel Spass auf den Pisten in Davos Klosters.

Eure Davos Klosters Mountains